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14.06.2022
DAV-Präsidentin im Gespräch
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„Nicht die Technik gibt vor, was wir schreiben“

Wir haben mit der DAV-Präsidentin Edith Kindermann über Juristenausbildung, Fachkräftemangel, Digitalisierung und die Zukunft des Verbandes gesprochen. Wer es genau wissen will, findet unten das ganze Interview als Video.

Die wichtigsten Aussagen:

Warum sollte die Generation Z noch Anwalt werden?

Weil man „sein Helfersyndrom austoben kann“, sagt Kindermann und „weil man immer an den gesellschaftlichen Entwicklungen und an der gesellschaftlichen Zeit ist“. Die Generation Z habe den Vorteil, dass sie mit der Digitalisierung groß werde.

Inwiefern hat die Pandemie die Welt der Anwälte verändert?

Die Kommunikation mit Gerichten und Mandanten sei digitaler geworden. Kanzleien hätten gelernt, ein Netz für Risikovorsorge zu schaffen und wie man mobiles Arbeiten ermöglicht. „Deswegen glaube ich, dass wir auch interessanter geworden sind als Arbeitgeber.“ Auf die Rekordumsätze der Anwaltschaft angesprochen, sagte Kindermann, das käme drauf an: Strafverteidiger, deren Hauptverhandlung alle abgesagt worden seien, profitierten eher nicht.

Holt die deutsche Justiz den Digitalisierungsrückstand von über 10 Jahren auf? 

„Die Hoffnung habe ich uneingeschränkt.“ Die Pandemie habe einen „unglaublichen Schub“ gebracht. Kindermann warnt aber auch vor Aktionismus: Man dürfe nicht einfach Modelle anderer Länder übernehmen. „Wir haben drei unterschiedliche Modelle der elektronischen Akte bei den Gerichten. Wäre es nicht schön, wenn wir es schaffen würden, dass wir das noch einheitlich machen?“

Sollten Anwälte Schriftsätze so strukturieren, dass sie digital lesbar werden?

„Ich finde immer, dass die Technik dem Zweck nachfolgt“, sagt Kindermann, „das heißt nicht die Technik gibt vor, was wir schreiben und wie wir es schreiben“. Die Strukturierung sei „ureigenste anwaltliche Aufgabe“. Strukturierte Parteivorträge seien gut, „aber nicht ein strukturierter Parteivortrag im Sinne einer digital vorgegebenen Struktur“.

Wo steht der Deutsche Anwaltverein in ein paar Jahren?

Der DAV müsse immer die Anwaltschaft insgesamt im Blick haben. „Deswegen sehe ich den DAV nach wie vor auch in der Zukunft als den einzigen und den wirklich schlagkräftigsten Verband der freiwillig organisierten Anwaltschaft.“

Was sollte der Bundesjustizminister tun?

Der Minister solle „ein offenes Ohr für alle Beteiligten haben“, mahnt Kindermann. „Und deswegen erwarte ich von ihm, dass er eine klare Ansage macht: Was packe ich wann, wo, wie an?“ Und „wunderschön“ wäre es natürlich, wenn das Haus die Verbände mit ausreichenden Fristen beteiligen würde. „Ich durfte vorgestern eine Stellungnahme freigeben, bei der die Stellungnahmefrist zehn Tage betragen hat, unter Einschluss von Pfingsten.“

 

Suggested Citation

Wieduwilt, Hendrik: Interview mit Edith Kindermann, libra-rechtsbriefing, 14.6.2022, https://www.libra-rechtsbriefing.de/L/kindermann/

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