Da ging was schief.

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Foto: Dr. Martin Manzel
02.08.2022
Fachkräftemangel
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„Die Leute werden 2-3 Monate in der Warteschleife hängen“

Es ist Ferienzeit in Deutschland und an den Flughäfen herrscht Chaos. Die Bundesregierung will deswegen befristet Arbeitskräfte aus der Türkei holen. Wir haben darüber mit Dr. Martin Manzel, Fachanwalt für Migrationsrecht und Mitglied im Geschäftsführenden Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft Migrationsrecht des DAV, gesprochen. Wer sich das gesamte Interview anschauen will, findet unten das Video.

Hier die wichtigsten Aussagen:

Was halten Sie von der Initiative?

„Die Initiative ist prinzipiell gut, kommt allerdings leider viel zu spät“, kritisiert Manzel. Die späte Ankündigung, Arbeitskräfte aus der Türkei zu holen, verwundere ihn, das Konzept könne faktisch diesen Sommer nicht mehr umgesetzt werden.

Gibt es überhaupt genügend interessierte Menschen in der Türkei?

Die gebe es auf jeden Fall, verrät uns Manzel. Es lägen ca. 4000 Anfragen aktuell vor, das Konzept sei aber nur auf 2000 angedacht gewesen und nun sage die Wirtschaft plötzlich, sie brauche doch nur 1000 Arbeitskräfte. „Das finde ich bei allen wirtschaftlichen Interessen, die Deutschland hat, in Bezug auf die Menschen unverantwortlich“, ärgert sich Manzel. Man schüre Hoffnungen, mache sich aber über die Menschen keine Gedanken.

Wer ist eigentlich zuständig und wie wird das Ganze umgesetzt?

Leiharbeit sei im Migrationsrecht eigentlich untersagt. Hier solle es aber eine Globalzustimmung der Bundesagentur für Arbeit geben, die für bestimmte Berufsgruppen beide Augen zudrücke.

Die türkischen Arbeitskräfte benötigten einen gültigen Arbeitsvertrag bevor sie ein ordnungsgemäßes Visumsverfahren durchlaufen könnten. „Die Leute werden 2-3 Monate in der Warteschleife hängen, denn es müssen doch gewisse Sicherheitsprüfungen erfolgen“, prognostiziert Manzel und fügt hinzu, „dass wir uns dann im November auf die Leiharbeiter freuen dürfen“.

Die Bundesregierung will das Fachkräfteeinwanderungskonzept insgesamt reformieren. Was genau soll sich ändern und wie ist das zu bewerten?

„Ich finde das total gut und ich finde es total richtig“, beurteilt Manzel das Konzept, denn: „wir werden es alleine nicht mehr schaffen”. Deutschland benötige wegen seiner negativen demografischen Entwicklung dringend ausländische Fachkräfte. Bei Akademikern sei die Anerkennung der Hochschulabschlüsse bereits relativ gut geregelt, bei Fachkräften mit einer Berufsausbildung müsste aber nachgebessert werden, etwa bei Köchen, Frisören, Handwerkern. Die Anerkennungsverfahren seien bislang zu lang und zu restriktiv. Ein beschleunigtes Anerkennungsverfahren, das teilweise schon parallel zum Aufenthalt in Deutschland durchgeführt werden, sei der praktische Ansatz, der jetzt benötigt werde.

Was allerdings noch fehle sei ein Integrationskonzept, denn schließlich kämen die Menschen nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch, weil Deutschland wegen seiner Demokratie und Rechtsstaatlichkeit insgesamt ein „tolles“ Land sei, was es zu bewahren gelte.

Wird die Umsetzung möglicherweise zum Problem?

„Das größte Problem ist der Fachkräftemangel in den Behörden“, gibt Manzel zu bedenken. Ohne „extreme“ Aufrüstung bei den Fachkräften in den kommunalen Behörden, der Bundesagentur für Arbeit und den Visastellen werde eine schnelle Umsetzung wohl schwierig.

 

Suggested Citation

Wieduwilt, Hendrik, Interview mit Martin Manzel, libra-rechtsbriefing, 2.8.2022, https://www.libra-rechtsbriefing.de/L/manzel

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